Donnerstag, Januar 31, 2008

Wer nichts wird...

Ich glaube, dass es in Sachen Berufswahl zwei verschiedene Arten von Menschen gibt.
Die einen (zu denen gehört meine jüngere Schwester), wissen schon länger was sie machen wollen. Und dieser Beruf füllt sie voll und ganz aus, selbst die unangenehmen Seiten können sie mit einem Lächeln hinnehmen. So etwas nennt man wohl Berufung.
Meine Schwester wusste seit ihrem ersten Praktikum (wenn nicht schon eher), dass sie Erzieherin werden will. Nun gut, mag mancher sagen: Das machen so einige junge Mädels. Aber bei ihr ist das etwas anderes, sie ist dafür geboren und kein anderer Beruf würde sie glücklich machen. Und darum beneide ich sie sehr. Selbst wenn im Kindergarten die Magen-Darm-Grippe umhergeht und sie zehn kranke, sich übergebende Kinder haben, kann sie am Ende des Tages doch irgendwie im Scherz darüber sprechen.

Der zweite Typ kann so ziemlich alles im Leben machen, was ihm einigermaßen liegt und er könnte es mit Anstrengung vielleicht auch gut machen und wird zufrieden sein - wenn denn alles gut läuft. Es ist jedoch keine Berufung, vielleicht ist es das fehlende Lächeln wenn man über die lästigen Seiten seines Jobs spricht...die völlige Hingabe.
Zu dieser Sorte gehöre ich. Es gibt vieles was mir Spaß machen würde, aber nichts, wozu ich mich berufen fühle. Bei dem ich wüsste: Wenn ich nicht diesen Job machen kann, werde ich nicht glücklich im Leben. Das hat natürlich den Vorteil, dass man flexibler ist. Der Nachteil ist, dass man wohl immer eine Ungewissheit mit sich rumträgt, ob man wirklich das tun will, was man gerade macht. Oder ob nich doch etwas anderes besser wäre. Manchmal führt diese Ungewissheit auch dazu, dass man sich für nichts richtig entscheiden kann.
Bei mir ist es eher so, dass ich verschiedenes probiert habe:
Praktikum im Kindergarten (auf Dauer doch recht anstrengend),
Praktikum im Vertrieb der Holsten AG (interessant, aber einfach nicht das wahre), Wirtschaftsgymnasium (dreiJahre BWL/VWL/Rechnungswesen/Controlling waren drei Jahre zu viel),
zwei Praktika in Lokalredaktionen (ich dachte DAS wäre es...aber langsam kommen Zweifel), Studium der Geschichte (fand ich immer toll...aber was damit machen?) und
der Sozialwissenschaft (auch interessant) und noch immer bin ich mir nicht sicher...

Und irgendwie gibt es diese Situation erschreckend oft:
Man denkt sich "bis zum Abi musst du schon wissen was du machen willst" - man weiß es nicht genau, aber die Studienrichtung gefällt. Im Studium denkt man "bis zum B.A. solltest du schon wissen was du machen willst" - man weiß es immernoch nicht genau, aber die Studienrichtung macht immernoch spaß. Und danach? Die einen machen Praktika und wissen es immer noch nicht so genau, aber sie sind wenigstens dabei es herauszufinden.
Die anderen (meine wenigkeit) studieren weiter und werden sich dem vielleicht langsam klar.
Und ein Teil ist sich immernoch unsicher...

Kommentare:

Supersonic hat gesagt…

Als Sozialwissenschaftler könnte ich jetzt Berufsberatung machen, aber vermutlich ist es ja zu spät oder?

Allie hat gesagt…

Naja du kennst das ja..in die Berufe in die mal mit Sowi/Politik kommt, bekommt man höchstens durch Praktika und Bekannte Einblicke. Ich hab weder Bekannte noch Zeit für Praktika...aber ne grobe Richtung hab ich inzwischen :)

Supersonic hat gesagt…

Stimmt schon. Aber Praktika sind halt mittlerweile sowieso "Zwang". Aber Sozialwissenschaften hält den Job bis zum Ende sehr offen und ist für Menschen wie uns (ich bin selber definitiv nicht Gruppe 1) eigentlich ideal. Damit kannst du viel machen, auch wenn es dann nicht so einfach und zielgerichtet ist wie bei....BWL oder Jura...